2011

Karl Wagenfeld

Karl Wagenfeld: Menschen in “Krüppel- und Idiotenanstalten”, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistig Minderwertige (Leserbrief des SPD OVs zum Thema Straßennamen)

Zitat aus dem Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren: „Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in “Krüppel- und Idiotenanstalten”, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistig Minderwertige.

 

Hat jemand, der so ein Menschenbild vertritt und zum Krieg gegen Frankreichs Hass und Polens Gier aufruft, es verdient, dass man eine Straße nach ihm benennt? NEIN.

Hat jemand, der die Machtübernahme der Nationalsozialisten als Erfüllung der Ziele der Heimatbewegung sah, verdient, dass man eine Straße nach ihm benennt? NEIN.

Hat jemand, der den Nationalsozialisten als Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes den Westfalentag zu Propagandazwecken zur Verfügung stellt, es verdient, dass man eine Straße nach ihm benennt? NEIN.

Wie weit ist es dann noch bis zu Äußerungen wie von Philipp Jenninger (Bundestagspräsident) zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome 1938: „War er nicht wirklich von der Vorsehung auserwählt, ein Führer [Adolf Hitler], wie er einem Volk nur einmal in tausend Jahren geschenkt wird?“

Können wir es unseren ausländischen Mitbürgern in Horstmar und überall in Deutschland, unseren Kranken und Alten, den Bewohnern unserer Partnergemeinde in Warnsveld und unseren Mitbürgern der EU  zumuten, ertragen zu müssen, dass nach ausführlichen internen Diskussionen in Gremien „nur“ durch Zusatzschilder auf die NS-Vergangenheit von Wagenfeld und Castelle eingegangen wird? NEIN.

Von Seiten des Bürgermeisters ist zu hören, dass die Zusatzschilder zum Diskutieren anregen sollen und man sich so mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt. Würde eine Umbenennung in Opfer des Braunen Terrors (Anne Frank, die Mitglieder der Weißen Rose, die Verschwörer vom 20.Juli 1944, Dietrich Bonhoeffer, Kardinal von Galen, Kurt Schumacher [er wurde immerhin auf einer 2-Mark-Münze geehrt]) nicht mehr Sinn machen, als wenn man durch Zusatzschilder auch noch auf den Grund der Umbenennung aufmerksam machen muss?

Schreckt es Urlauber und potentielle Investoren nicht ab, wenn sie die Diskussion aus anderen Kommunen mitbekommen haben, in Horstmar zu investieren? Denn die Zusatzschilder sind in keinem Straßenplan oder Straßenverzeichnis vermerkt.

Da diese Diskussion uns alle als Bürger der Stadt Horstmar angeht, hätte sie und der Informationsaustausch nicht auf die Fraktionen beschränkt sein dürfen. Wir als Politiker sollten unseren Mitbürgern durchaus zutrauen, rationale Entscheidungen zum Wohle ihrer Stadt treffen zu können. Und: Wir sollten die allgemeine Kritik am Politikmachen im kleinen Kämmerlein und die damit verbundenen Politikverdrossenheit ernst nehmen und auf kommunaler Ebene umsetzen.

Als neu gewählter Ortsvereinsvorsitzender der SPD möchte ich zukünftig unsere Mitbürger stärker in die Arbeit unserer Partei einbinden. So möchte ich auf unsere Homepage hinweisen und darauf, dass unsere Fraktionssitzungen öffentlich sind und die Termine rechtzeitig auf unsere Homepage und Facebook-Seite zu finden sind.

Abschließend: Ich zolle Herrn Engelbert Glock großen Respekt zu seinem Leserbrief. Zwar sollten Probleme immer intern geklärt werden, doch hat auch der EuGH vor kurzem bestätigt, dass ein Arbeitnehmer trotz Loyalitätspflicht seinem Arbeitgeber gegenüber berechtigt ist, Missstände, die die Öffentlichkeit betreffen, auch publik zu machen.

 

Guido Over

Zum Esch 53. 48612 Horstmar

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